Definition
Liefertreue: Definition, Berechnung, Abgrenzung

Liefertreue misst, wie zuverlässig ein Unternehmen vereinbarte Liefertermine einhält. Sie berechnen die Liefertreue, indem Sie die Zahl der pünktlich gelieferten Lieferungen oder Aufträge durch die Zahl aller Lieferungen im selben Zeitraum teilen. Hier erfahren Sie, wie sich Liefertreue und Liefertermintreue unterscheiden, was OTIF zusätzlich verlangt und worauf Sie bei Auftragsfertigern achten sollten.
Was bedeutet Liefertreue?
Liefertreue bedeutet, dass vereinbarte Lieferungen so ankommen, wie es zugesagt wurde. EazyStock versteht darunter den Vergleich der pünktlich gelieferten Lieferungen mit allen Lieferungen. WSW fasst den Begriff weiter: Die Liefertreue drückt dort aus, ob Waren in der richtigen Menge (Mengentreue) und zum richtigen Zeitpunkt (Termintreue) geliefert werden.
Die Begriffe sind also nicht scharf getrennt. Legen Sie deshalb intern schriftlich fest, was bei Ihnen gemeint ist, bevor Sie Zahlen vergleichen. Wer Liefertreue von 94 Prozent mit den 94 Prozent eines anderen Betriebs vergleicht, vergleicht sonst womöglich zwei verschiedene Dinge.
Liefertreue hat zwei Richtungen. Gegenüber Ihren Kunden zeigt sie, wie verlässlich Sie liefern. Gegenüber Ihren Lieferanten zeigt sie, wie verlässlich Zukaufteile bei Ihnen ankommen. Beides hängt zusammen, denn eine verspätete Zukaufkomponente verschiebt bei einem Maschinenbauer schnell den Liefertermin der gesamten Anlage. Mehr zur Überwachung auf der Einkaufsseite finden Sie im Beitrag zur Bestellüberwachung.
Wie berechnet man die Liefertreue?
Die Liefertreue ergibt sich aus der Zahl der pünktlich gelieferten Einheiten geteilt durch die Zahl aller gelieferten Einheiten im Zeitraum. Als Formel ergibt sich daraus, im Sinne von EazyStock:
Liefertreue = Anzahl pünktlich gelieferter Lieferungen / Anzahl aller Lieferungen
Statt Lieferungen können Sie Aufträge, Auftragspositionen oder Stück zählen. Für Hersteller konfigurierter Maschinen sind Aufträge oder Auftragspositionen sinnvoll, weil eine Anlage oft in Teillieferungen geht. Multiplizieren Sie mit 100, um einen Prozentwert zu erhalten.
Ein Beispiel mit erfundenen Zahlen: Ein Betrieb schließt im Quartal 40 Aufträge ab, 34 davon zum zugesagten Termin. Die Liefertreue beträgt 34 / 40 = 0,85, also 85 Prozent.
Zwei Entscheidungen verändern das Ergebnis stark.
- Toleranzfenster. Legen Sie fest, ob eine Abweichung von einigen Tagen noch als pünktlich gilt und ob zu frühe Lieferungen zählen. Im Einkauf nennt Tacto als übliche Toleranz für Abrufe etwa ein bis zwei Tage beim Termin. Das bezieht sich auf Lieferabrufe, ist aber ein brauchbarer Anhaltspunkt für die eigene Festlegung.
- Messzeitpunkt. Wird der Termin bei Auftragsbestätigung oder erst nach einer späteren Verschiebung als Maßstab genommen? Der nächste Abschnitt zeigt, warum das wichtig ist.
Liefertreue oder Liefertermintreue: Was ist der Unterschied?
Liefertermintreue (oder Termintreue) misst nur den Termin. Die Liefertreue im weiteren Sinn prüft zusätzlich die Menge. Nach Tacto betrachtet die Termintreue ausschließlich die zeitliche Komponente, also die Einhaltung des vereinbarten Liefertermins. Die Lieferzuverlässigkeit geht noch weiter, denn sie berücksichtigt nach EazyStock auch, ob die Ware ohne Mängel ankommt.
| Kennzahl | Was wird geprüft? | Zählt als erfüllt, wenn … |
|---|---|---|
| Liefertermintreue / Termintreue | Termin | die Lieferung zum vereinbarten Termin (im Toleranzfenster) ankommt |
| Liefertreue (weit gefasst) | Termin und Menge | Termin und Menge stimmen |
| OTIF (On Time In Full) | Termin und Vollständigkeit | die Bestellung pünktlich und vollständig geliefert wurde |
| Lieferzuverlässigkeit | Termin, Menge, Mängelfreiheit | die Lieferung fristgerecht und fehlerfrei ist |
Haufe X360 nennt für OTIF die Formel (rechtzeitig und vollständig gelieferte Bestellungen / Gesamtzahl der Bestellungen) x 100. WSW beschreibt, dass eine zweidimensionale Variante eine Lieferung nur dann als erfüllt wertet, wenn sowohl Menge als auch Termin stimmen.
Kundenwunsch oder bestätigter Termin?
Gerade im Auftragsgeschäft lohnt es sich, zwei Termine zu unterscheiden. Die Treue zum Kundenwunschtermin prüft, ob der vom Kunden gewünschte Termin gehalten wurde, die Treue zum bestätigten Termin, ob der in der Auftragsbestätigung zugesagte Termin gehalten wurde. Das ist eine Empfehlung für das Auftragsgeschäft, keine Normvorgabe.
Der Abstand zwischen beiden Werten ist selbst eine Information. Er zeigt, wie oft Sie Wunschtermine nicht annehmen konnten. Liegt dagegen die Treue zum bestätigten Termin niedrig, sagen Sie entweder zu optimistisch zu oder die Ausführung weicht von der Zusage ab. Wie lange ein Auftrag intern tatsächlich unterwegs ist, ergibt sich aus der Durchlaufzeit. Eine Zusage ohne Blick auf diese Zeit ist selten verlässlich. Wie Sie dafür einen echten Auftrag Schritt für Schritt ansehen, zeigt die kostenlose Auftragsdurchlauf-Analyse.
Hängen Lieferzeit und Liefertreue zusammen?
Eine kürzere Lieferzeit macht die Liefertreue nicht automatisch besser. Die Kennzahl vergleicht die tatsächliche Lieferung mit der Zusage, nicht mit dem Wunsch nach Schnelligkeit. Ein Betrieb, der zwölf Wochen zusagt und zwölf Wochen hält, hat eine bessere Liefertreue als einer, der zehn Wochen verspricht und im Schnitt elf braucht (Beispiel). Das spricht nicht gegen kürzere Lieferzeiten, sondern dafür, Zusage und Ausführung gemeinsam zu betrachten. Wo die Zeit im eigenen Haus bleibt, zeigt die Durchlaufzeit.
Liefertreue in Excel berechnen
Für die erste Auswertung genügt eine Tabelle mit einer Zeile je Auftrag oder Auftragsposition.
- Spalten anlegen: Auftragsnummer, Wunschtermin des Kunden, bestätigter Termin, tatsächliches Lieferdatum.
- Eine Hilfsspalte je Termin anlegen, die prüft, ob das Lieferdatum nicht später als der Termin liegt (gegebenenfalls plus Toleranz in Tagen). Das Ergebnis ist 1 oder 0.
- Die Summe der Einsen durch die Zahl der Zeilen teilen.
- Das Ganze getrennt nach Quartal oder nach Produktgruppe auswerten, damit Ausreißer nicht im Durchschnitt untergehen.
Zählen Sie nur abgeschlossene Lieferungen im Zeitraum. Aufträge, die zum Stichtag überfällig und noch offen sind, gehören trotzdem hinein, sonst wird die Zahl besser, als sie ist.
Liefertreue bei Lieferanten
Wenn Sie die Treue Ihrer Zulieferer messen, rechnen Sie dasselbe, nur aus der Einkaufsperspektive. Tacto nennt als Beispiel für Lieferabrufe 500 Abrufe im Monat, von denen 485 vollständig korrekt waren, also 97 Prozent. Als typische Zielwerte führt Tacto 95 bis 99 Prozent auf und weist darauf hin, dass die Toleranz meist bei plus/minus ein bis zwei Tagen liegt. Das gilt für Abrufe in der Serienbeschaffung. Für Sonderteile mit langen Lieferzeiten sollten Sie Ihre eigenen Werte festlegen.
Wie verbessern Sie die Liefertreue?
Sie verbessern die Liefertreue, indem Sie zuerst herausfinden, warum Termine reißen, und dann an den Ursachen arbeiten. Eine Zahl allein zeigt nur, dass etwas schiefläuft. Die üblichen Ansatzpunkte:
- Realistisch zusagen. Terminzusagen sollten auf der tatsächlichen Durchlaufzeit und den offenen Unterlagen beruhen, nicht auf der im ERP hinterlegten Standardzeit.
- Zukaufteile überwachen. Tacto nennt für Lieferanten unter anderem regelmäßige Lieferantengespräche, Ursachenanalysen bei Abweichungen und gemeinsame Optimierungsprojekte.
- Änderungen sichtbar machen. Wenn sich nach Auftragseingang etwas ändert, muss der Termin neu bewertet werden. Dazu passt der Beitrag zum Änderungsmanagement.
- Warten abbauen. Offene Rückfragen und fehlende Freigaben können mehr Zeit kosten als die Fertigung selbst. Der Weg eines Auftrags vom Eingang bis zur Lieferung wird im Beitrag Order-to-Delivery beschrieben.
Ein Beispiel (erfunden): Ein Anlagenbauer sagt für einen Auftrag zehn Wochen zu. Nach vier Wochen stellt sich heraus, dass die Zeichnungsfreigabe des Kunden noch aussteht und ein Zukaufteil 14 Wochen Lieferzeit hat. Wer das erst bei der Montage bemerkt, hat den Termin schon verfehlt. Wer beide Punkte bei der Auftragsbestätigung geprüft hat, kann einen realistischen Termin nennen oder die Unterlagen früher anfordern. Der Weg zur zugesagten Zeit hängt also an den Informationen, die zum Zeitpunkt der Zusage vorliegen.
Warum ist Liefertreue wichtig?
Schlechte Liefertreue kostet Vertrauen, Umsatz und Geld. WSW nennt als Folgen verlorene Kundenzufriedenheit und mögliche Abwanderung, wegfallende Aufträge und höhere Kosten durch Sonderfrachten, höhere Lagerbestände und zusätzlichen Personalbedarf.
Im Maschinen- und Anlagenbau sind Liefertermine häufig vertraglich fixiert. Ob Vertragsstrafen vereinbart sind, steht im jeweiligen Vertrag und ist eine Frage für Ihre Rechtsabteilung. Als Kennzahl gehört die Liefertreue zu den wenigen, die der Kunde direkt spürt. Sie steht deshalb in jeder Übersicht der Produktionskennzahlen.
Keralo ist keine Terminplanungs- oder Feinplanungssoftware. Die Software hält für jeden Kundenauftrag den Stand über ERP, Postfach und Dateiablage hinweg und schlägt an jeder Übergabe den nächsten Schritt vor, damit offene Punkte früher auffallen.
Nächster Schritt
Termine halten, bevor sie wackeln
In der kostenlosen Auftragsdurchlauf-Analyse sehen wir uns einen echten Auftrag an und halten fest, an welchen Übergaben Termine in Gefahr geraten. Das dauert 60 bis 90 Minuten und endet mit einer schriftlichen Einschätzung.