Ratgeber

Durchlaufzeit: Definition, Formel und Verkürzung

Zeitstrahl eines Auftrags mit kurzen Bearbeitungsabschnitten und langen Wartezeiten dazwischen

Die Durchlaufzeit ist die Zeitspanne, die ein Auftrag vom Beginn des ersten bis zum Ende des letzten Arbeitsgangs braucht. Sie ergibt sich als Summe aus Bearbeitungs-, Rüst-, Transport- und Liegezeiten, im Auftragsgeschäft kommen die Wartezeiten zwischen den Abteilungen hinzu. Dieser Ratgeber zeigt die Formel, ein durchgerechnetes Beispiel und die Hebel, mit denen sich die Durchlaufzeit verkürzen lässt.

Was ist die Durchlaufzeit?

Die Durchlaufzeit ist die Zeitspanne zwischen dem Beginn des ersten und dem Ende des letzten Arbeitsgangs bei der Herstellung eines Gutes. So beschreibt es das Gabler Wirtschaftslexikon. Nach REFA ist sie im Arbeitssystem die Zeitart TD, und sie enthält neben der eigentlichen Durchführung auch Transport, Liege- und Lagerungszeiten.

Wichtig ist die Blickrichtung. Die Durchlaufzeit schaut auf den Auftrag, nicht auf die Maschine. Eine Maschine kann zu 90 Prozent ausgelastet sein, und der Auftrag liegt trotzdem wochenlang herum, weil Zeichnungen fehlen, eine Bestellung nicht ausgelöst wurde oder niemand die Stückliste freigegeben hat. Das Wort hat mehrere Synonyme. Üblich ist Auftragsdurchlaufzeit, im Englischen meist Throughput Time. Lead Time wird uneinheitlich verwendet und meint häufig die Zeit aus Kundensicht (siehe unten).

Legen Sie deshalb fest, wo Sie Anfang und Ende messen. Die Quellen legen Anfang und Ende unterschiedlich: Haufe zählt ab dem Eintreffen des Auftrags in der Produktion, MRPeasy ab dem Transport der Rohstoffe in die Produktionsstätte bis zur versandfähigen Einheit. Bei Herstellern konfigurierter Maschinen und Anlagen liegt es nahe, mit dem Auftragseingang zu beginnen und mit Versand oder Abnahme zu enden, weil Klärung, Konstruktion und Beschaffung dort Zeit verbrauchen, die eine reine Fertigungssicht nicht erfasst. Dazu mehr im Beitrag zur Auftragsabwicklung.

Wie berechnet man die Durchlaufzeit?

Sie berechnen die Durchlaufzeit als Summe aller Zeitanteile, die ein Auftrag auf seinem Weg verbraucht. Das Gabler Wirtschaftslexikon nennt als Bestandteile Bearbeitungs-, Transport- und Wartezeiten auf allen Produktionsstufen. Mit Rüstzeit ergibt sich die gängige Form:

Durchlaufzeit = Bearbeitungszeit + Rüstzeit + Transportzeit + Liegezeit

Die Literatur ordnet die Anteile unterschiedlich. MRPeasy rechnet statt mit Rüst- und Liegezeit mit Verarbeitungs-, Inspektions-, Bewegungs- und Wartezeit. Rechnerisch ändert das nichts, wichtig ist nur, dass jede Minute, die ein Auftrag im System verbringt, in genau einem Anteil landet.

Wenn Sie keine Zeiten je Arbeitsgang erfassen, genügt für den Anfang die Differenz zweier Daten:

Durchlaufzeit = Fertigstellungsdatum minus Startdatum

Rechenbeispiel

Das folgende Beispiel ist erfunden und dient nur dazu, die Rechnung zu zeigen. Drei Aufträge eines Sondermaschinenbauers haben zwischen Auftragseingang und Versand 87, 64 und 110 Kalendertage gebraucht. Die mittlere Durchlaufzeit ist die Summe geteilt durch die Anzahl: (87 + 64 + 110) / 3 = 87 Tage. Für die Aussagekraft sollten Sie immer auch die Streuung ansehen. Ein Mittelwert von 87 Tagen sagt wenig, wenn einzelne Aufträge doppelt so lange laufen wie andere.

So ermitteln Sie die Durchlaufzeit aus Ihren eigenen Daten

Für die erste Auswertung reicht eine Tabelle, zum Beispiel in Excel. Sie brauchen je Auftrag zwei Daten, die Sie im ERP oder in der Auftragsliste finden.

  1. Legen Sie Start und Ende fest, etwa Auftragseingang und Versand.
  2. Ziehen Sie die Daten abgeschlossener Aufträge der letzten ein bis zwei Jahre in eine Tabelle.
  3. Berechnen Sie je Auftrag die Differenz in Kalendertagen.
  4. Bilden Sie Mittelwert und Median und sortieren Sie die Aufträge nach Dauer.
  5. Stellen Sie die Werte als Balken- oder Streudiagramm dar. Aufträge, die weit außerhalb liegen, sind die besten Kandidaten für eine genauere Betrachtung.

Der Mittelwert versteckt Ausreißer, der Median zeigt den typischen Auftrag. Beides zusammen sagt mehr als jede Zahl allein. Wollen Sie die Anteile (Bearbeitung, Warten) sehen, müssen Sie einzelne Aufträge von Hand zeitlich aufschlüsseln, wie im Praxistipp unten beschrieben.

Das Gesetz von Little

Eine Hilfsgröße liefert schnell Erkenntnisse. Das Gesetz von Little verbindet Durchlaufzeit, Output-Rate und Bestand: Bestand = Output-Rate × Durchlaufzeit, gerechnet mit Durchschnittswerten (welt-der-bwl.de). Umgestellt ergibt sich die Durchlaufzeit als Bestand geteilt durch Output-Rate. Sind im Schnitt 30 Aufträge gleichzeitig in Arbeit und schließen Sie pro Woche 10 ab, liegt die mittlere Durchlaufzeit bei drei Wochen (ebenfalls ein Rechenbeispiel). Rechnerisch zeigt die Formel, warum zu viele gleichzeitig offene Aufträge die Durchlaufzeit verlängern.

Woraus besteht die Durchlaufzeit?

Die Durchlaufzeit besteht aus Bearbeitungszeit, Rüstzeit, Transportzeit und Liegezeit, bei REFA zusätzlich aus Lagerungs- und Zusatzzeiten. Die folgende Tabelle ordnet die Begriffe ein.

BestandteilBedeutungTypisches Beispiel im Auftragsgeschäft
BearbeitungszeitZeit, die technisch für die Herstellung nötig istFräsen, Schweißen, Montage
RüstzeitZeit, um ein Betriebsmittel für einen Auftrag einzustellen oder umzurüstenVorrichtung wechseln, Programm laden
TransportzeitZeit für die Weitergabe an das nächste ArbeitssystemTeile von der Fertigung zur Montage bringen
LiegezeitZeit, in der der Auftrag zwischen zwei Arbeitssystemen auf seine weitere Durchführung wartetTeile warten auf freie Montageplätze, Freigabe fehlt
LagerungszeitZeit, in der Teile oder Fertigfabrikate vor, zwischen oder nach der Durchführung gelagert werdenFertige Baugruppen warten auf fehlende Zukaufteile
ZusatzzeitZeit, die zusätzlich zur planmäßigen Durchführung auftreten kannNacharbeit, Störung

Die Definitionen von Liege-, Transport-, Lagerungs- und Zusatzzeit stammen aus dem REFA-Lexikon.

Der Haufe-Beitrag von Helmut Wannenwetsch hält fest, dass ein Großteil der Durchlaufzeit auf Rüst-, Transport- und vor allem Liegezeit entfällt. Belastbare Prozentanteile je Branche haben wir nicht gefunden und nennen deshalb keine.

Warum ist die Durchlaufzeit nicht gleich der Lieferzeit?

Die Lieferzeit ist die Zeit, die ein Kunde vom Bestellen bis zum Erhalt der Ware wartet. MRPeasy nennt sie Auftragsvorlaufzeit (Customer Lead Time): vom Auftragseingang bis zur Lieferung, einschließlich Beschaffung und Transport. Die Durchlaufzeit ist ein Teil davon, nämlich die Zeit, die der Auftrag im eigenen Betrieb braucht. Bei konfigurierten Maschinen kommen weitere Abschnitte hinzu: Klärung mit dem Kunden vor der Auftragsbestätigung, Wartezeit auf Lieferanten, Versand und Aufstellung beim Kunden.

Deshalb kann eine kurze Fertigungsdurchlaufzeit trotzdem zu einer langen Lieferzeit führen. Und umgekehrt kann ein Betrieb eine längere Durchlaufzeit versprechen und sie sicher halten. Ob die zugesagte Zeit eingehalten wird, misst die Liefertreue.

Wie können Sie die Durchlaufzeit verkürzen?

Die Durchlaufzeit sinkt vor allem dann, wenn Sie Liegezeiten abbauen, denn dort steckt der größte Anteil. Die Bearbeitung zu beschleunigen bringt meist weniger, weil nach Haufe ein Großteil der Durchlaufzeit auf Rüst-, Transport- und vor allem Liegezeit entfällt. weclapp, MRPeasy und Haufe nennen mehrere Ansätze:

  • Engpässe gezielt erweitern. Zusätzliche Kapazität lohnt sich nur an der Stelle, an der der Engpass liegt.
  • Rüstzeiten senken. Besonders bei kleinen Losgrößen wirkt eine lange Rüstzeit stark (Haufe). Je kleiner die Serie, desto wichtiger wird schnelles Umrüsten.
  • Ähnliche Aufträge bündeln. weclapp zeigt am Beispiel, dass das Zusammenfassen gleichartiger Teile die Rüstzeit senkt.
  • Wege und Layout verbessern. Das verkürzt die Transportzeit, MRPeasy nennt dafür die Neuordnung des Layouts.
  • Informationsfluss verbessern. weclapp nennt neben Technik und Weiterbildung ausdrücklich den Informationsfluss und die Ablauforganisation.
  • Materialverfügbarkeit sichern. MRPeasy führt ein besseres Lieferantenmanagement auf, damit Material rechtzeitig da ist.

Der Informationsfluss ist im Auftragsgeschäft der wichtigste Punkt. Bei Einzel- und Kleinserienfertigung lohnt sich der Blick, ob ein Auftrag wirklich auf eine belegte Maschine wartet. Häufig kann es auch sein, dass eine Rückfrage zur Zeichnung unbeantwortet ist, eine Änderung nach Auftragseingang noch nicht in der Stückliste steht oder ein Einkaufsvorgang auf die Freigabe wartet. Das sind Liegezeiten in Büro und Planung, die eine Maschinendatenerfassung nicht sieht. Wie sich solche Übergaben ordnen lassen, beschreibt der Beitrag zu den Schnittstellen zwischen Abteilungen, den Vorlauf behandelt die Seite zum Auftragsvorlauf. Genau diese Wartephasen zeichnet die kostenlose Auftragsdurchlauf-Analyse an einem echten Auftrag nach.

Was kostet eine lange Durchlaufzeit?

Eine lange Durchlaufzeit bindet Geld, Kapazität und Termine. Laut weclapp senken kürzere Durchlaufzeiten Personalkosten, verkürzen Lieferzeiten und verringern das in Beständen gebundene Kapital.

Typische Fehler beim Messen

  • Verschiedene Abteilungen messen mit unterschiedlichem Start und Ende. Dann sind die Zahlen nicht vergleichbar.
  • Der Mittelwert wird ohne Streuung berichtet.
  • Nur Maschinenzeiten werden betrachtet, Wartezeiten im Büro nicht.
  • Geplante Warte- und Trockenzeiten werden mit ungewollten Liegezeiten vermischt.

Welche Kennzahlen gehören zur Durchlaufzeit?

Die Durchlaufzeit steht selten allein. Gemeinsam mit Umlaufbestand, Liefertreue und Rüstzeiten ergibt sie ein Bild, das sich lesen lässt. Welche weiteren Zahlen für Fertigung und Auftragsabwicklung gebräuchlich sind und wie Sie eine passende Auswahl treffen, behandelt der Artikel zu den Produktionskennzahlen.

Keralo ist in diesem Zusammenhang kein Messwerkzeug für Maschinenzeiten und ersetzt weder ERP noch MES. Die Software hält für jeden Kundenauftrag den Stand über ERP, PLM, Postfach und Dateiablage hinweg und schlägt an jeder Übergabe den nächsten Schritt vor. Damit setzt sie dort an, wo die Liegezeiten im Büro entstehen.

Nächster Schritt

Wartezeiten an einem Auftrag finden

In der kostenlosen Auftragsdurchlauf-Analyse gehen wir in 60 bis 90 Minuten einen echten Auftrag durch und halten schriftlich fest, an welchen Übergaben er gewartet hat.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist mit Durchlaufzeit gemeint?

Die Zeitspanne, die ein Auftrag oder Werkstück vom Beginn des ersten bis zum Ende des letzten Arbeitsgangs benötigt. Sie umfasst Bearbeitung, Rüsten, Transport und alle Wartezeiten.

Welche Bestandteile umfasst die Durchlaufzeit?

Bearbeitungszeit, Rüstzeit, Transportzeit und Liegezeit, je nach Definition außerdem Lagerungs- und Zusatzzeiten. Die Liegezeit ist die Zeit, in der ein Auftrag zwischen zwei Arbeitssystemen auf seine weitere Bearbeitung wartet.

Wie kann man die Durchlaufzeit verkürzen?

Am wirksamsten sind kürzere Liegezeiten, kürzere Rüstzeiten, Kapazität an Engpässen und ein besserer Informationsfluss. Im Auftragsgeschäft zählen zusätzlich schnellere Freigaben und Rückfragen zwischen den Abteilungen.

Warum ist die Durchlaufzeit nicht mit der Lieferzeit gleichzusetzen?

Die Lieferzeit gilt aus Sicht des Kunden von der Bestellung bis zum Eingang der Ware. Die Durchlaufzeit misst, wie lange der Auftrag im eigenen Betrieb unterwegs ist, und ist nur ein Teil davon.

Fazit

Die Durchlaufzeit lässt sich nur verkürzen, wenn Sie wissen, wo ein Auftrag wartet. In der Regel ist das nicht an der Maschine, sondern zwischen zwei Stationen. Wer diese Übergaben sichtbar macht, findet die größten Hebel.