Vergleich
Engineer to Order vs Make to Order: Vergleich mit CTO

Beim Engineer to Order beginnt die Konstruktion erst mit dem Kundenauftrag, beim Make to Order wird nach Auftragseingang nur noch gefertigt, und beim Configure to Order wählt der Kunde aus vordefinierten Optionen. Der Unterschied zwischen Engineer to Order vs Make to Order liegt also darin, ob für jeden Auftrag neu konstruiert wird. Dieser Beitrag vergleicht die drei Strategien und zeigt, was sie für die Auftragsabwicklung bedeuten.
Engineer to Order vs Make to Order: Was ist der Unterschied?
Bei Engineer to Order wird das Produkt nach dem Auftrag konstruiert, bei Make to Order nach dem Auftrag nur gefertigt. Laut open-next beginnt bei ETO die Konstruktion erst nach der Auftragserteilung, während bei MTO die Produktion zwar erst nach Auftragseingang startet, aber ohne kundenspezifische Konstruktion.
Siemens beschreibt Make to Order als Pull-Prozess: Die Herstellung wird eingeleitet, sobald eine Kundenbestellung eingegangen ist, und die Produktion wird von der Nachfrage gezogen. Auch bei ETO startet die Herstellung erst mit dem Auftrag. Der Unterschied liegt in der Konstruktion: Bei MTO liegt sie bei Auftragseingang vor, bei ETO ist sie Teil des Auftrags.
Daraus folgt, was open-next als typische Merkmale von ETO nennt: höchste Kundenspezifität und Flexibilität, aber längste Lieferzeit und höhere Kosten durch individuelle Planung und Entwicklung. Außerdem braucht es eine enge Abstimmung zwischen Vertrieb, Engineering, Produktion und Logistik.
Was bedeutet Configure to Order?
Configure to Order (CTO) bedeutet, dass ein Auftrag aus bereits konstruierten und freigegebenen Teilen nach festgelegten Regeln zusammengestellt wird. Der Kunde wählt aus vordefinierten Optionen, neue Konstruktionsarbeit entfällt.
Der Berater Modular Management unterscheidet drei Stufen. Bei ETO enthält die Spezifikation eines Auftrags unvorhergesehene Werte oder Kombinationen mit technischem Risiko, die Engineering erfordern. Bei Design to Order (DTO) bestehen die Spezifikationen nur aus geplanten Inhalten, doch einige Teile sind noch nicht fertig konstruiert oder industrialisiert. Bei CTO sind alle zugehörigen Teile bereits konstruiert und industrialisiert. Auch die Nutzung eines bestehenden parametrischen Modells zählt dort noch als CTO.
Der Kern ist die Modularisierung. Modular Management argumentiert, dass ein Unternehmen auf allen Ebenen der Produktstruktur mit Modulen arbeiten muss, um Flexibilität, Wiederverwendung und Effizienz zu gewinnen. Für konfigurierbare Plattformen braucht es dazu unter anderem Architekturmodelle, Konfigurations- und Stücklistenmodelle sowie Kosten- und Preismodelle.
Wie unterscheiden sich ETO, MTO und CTO im Überblick?
Die drei Strategien unterscheiden sich darin, was zum Zeitpunkt des Auftrags schon feststeht. Die folgende Tabelle fasst die Aussagen der genannten Quellen zusammen und ergänzt die Folgen für die Auftragsabwicklung als Einordnung.
| Engineer to Order (ETO) | Make to Order (MTO) | Configure to Order (CTO) | |
|---|---|---|---|
| Konstruktion | beginnt nach dem Auftrag, pro Auftrag neu | liegt bei Auftragseingang vor | liegt vor, wird aus Optionen und Regeln zusammengestellt |
| Fertigung | startet nach Auftragseingang | startet nach Auftragseingang | startet nach Auftragseingang |
| Kundenspezifität | höchste | begrenzt durch vorhandene Konstruktion | begrenzt durch die Optionen |
| Lieferzeit | am längsten | kürzer als ETO | kürzer als ETO |
| Typische Last in der Abwicklung | Klärung, Konstruktion, Änderungen, viele Übergaben | Einkauf, Arbeitsvorbereitung, Termine | richtige Konfiguration, Stücklistenregeln |
Die Zeilen zur Lieferzeit und zur Last in der Abwicklung sind eine Einordnung auf Grundlage der Definitionen, keine Messwerte. Wie lang die Lieferzeit tatsächlich ist, hängt vom Produkt und vom Betrieb ab.
Daneben gibt es Make to Stock, die Lagerfertigung. Für Hersteller von Sondermaschinen spielt sie meist nur für Ersatz- und Verschleißteile eine Rolle.
Warum wechseln Hersteller von ETO zu CTO?
Hersteller wechseln, weil wiederholte, bereits freigegebene Teile weniger Aufwand und weniger Fehler verursachen als jede Neukonstruktion. Modular Management formuliert es so: Es ist offensichtlich effizienter, bereits konstruierte und validierte Teile und Produkte zu wiederholen. Ohne Wiederholung beginne die Lernkurve mit jedem Auftrag von vorn.
Die Beratung nennt außerdem Zahlen, die Sie als Herstellerangabe einordnen sollten. In Unternehmen mit Auftragskonstruktion erreichten die indirekten Kosten typischerweise über 50 Prozent, und durch Wiederverwendung und Gleichteile ließen sie sich um 25 bis 35 Prozent senken. Das sind Aussagen eines Beratungsunternehmens, keine unabhängige Studie, und sie sagen nichts über Ihren Betrieb.
Für viele Hersteller hat das Thema eine zweite Seite: das Personal. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet, dass im Maschinenbau in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich 296.000 Beschäftigte ausscheiden, rund ein Viertel, während nur etwa 118.000 nachkommen. Bleibt Konstruktionswissen an einzelnen erfahrenen Personen hängen, hilft jede Wiederholung, die in Regeln und Modulen festgehalten ist.
Wo steht Ihr Betrieb: reines ETO, MTO oder ein Mix?
Die meisten Hersteller konfigurierter Maschinen sind ein Mix, und die Grenze verläuft durch den einzelnen Auftrag. Eine Anlage besteht oft aus Standardbaugruppen, Varianten nach Regeln und einigen Teilen, die für den Kunden neu entstehen.
Zur Bestandsaufnahme helfen drei Fragen, die Sie für einen abgeschlossenen Auftrag durchgehen können:
- Welche Baugruppen waren bei Auftragseingang schon konstruiert und freigegeben (MTO oder CTO)?
- Welche wurden aus vorhandenen Modulen und Regeln zusammengestellt (CTO)?
- Welche mussten neu entstehen (ETO), und wer hat darüber entschieden?
Der Anteil der Neukonstruktion bestimmt, wie viel in der Auftragsklärung offen ist und wie lange die Konstruktion die Kette blockiert. Wer in der Einzelfertigung arbeitet, findet dazu mehr im Beitrag zur Einzelfertigung.
Wie sieht ein Auftrag mit allen drei Strategien aus?
Ein einzelner Auftrag kann alle drei Strategien gleichzeitig enthalten. Das folgende Beispiel ist typisch und erfunden, kein Kundenfall und kein Messergebnis.
Ein Hersteller von Lackieranlagen erhält die Bestellung einer Anlage. Kabine und Antrieb gibt es in drei Größen mit festen Optionen, sie werden nach Regeln konfiguriert (CTO). Die Steuerung und die Förderstrecke sind vorhandene Konstruktionen, die nur gefertigt und beschafft werden müssen (MTO). Die Aufnahme für das Werkstück des Kunden gibt es so noch nicht und wird neu konstruiert (ETO).
Für die Auftragsabwicklung ist das wichtig. Der Liefertermin hängt an dem Teil mit dem größten Unsicherheitsanteil, hier an der Werkstückaufnahme, denn erst wenn ihre Zeichnung freigegeben ist, kann der Einkauf die zugehörigen Zukaufteile bestellen. Die konfigurierten Baugruppen laufen unterdessen weiter. Wer den ganzen Auftrag nach einem einzigen Muster plant, rechnet die Konstruktionszeit leicht zu knapp oder wartet unnötig mit Standardteilen.
Was bedeutet die Strategie für die Auftragsabwicklung?
Je mehr nach dem Auftrag entsteht, desto mehr Übergaben, Rückfragen und Änderungen muss die Auftragsabwicklung steuern. Open-next nennt für ETO unter anderem häufige Änderungen der Kundenanforderungen während des Projekts, die zu Verzögerungen und zusätzlichen Kosten führen können, hohen Dokumentationsaufwand, der Nachverfolgbarkeit erfordert, und die Beschaffung spezialisierter Materialien.
Bei CTO verschiebt sich die Arbeit nach vorn. Die Stückliste entsteht aus Regeln, deshalb entscheidet die richtige Konfiguration über alles Weitere. Bei MTO liegen die Schwerpunkte bei Einkauf, Arbeitsvorbereitung und Terminen.
Für ETO-Aufträge heißt das praktisch: Ändert sich nach der Auftragsbestätigung eine Baugruppe, ändern sich Stückliste, Arbeitsplan, Bestellungen und Liefertermin. Wie Sie das beherrschbar machen, steht im Beitrag zum Änderungsmanagement. Warum Aufträge so lange unterwegs sind, erklärt der Beitrag zur Durchlaufzeit. Eine genauere Beschreibung dieses Auftragstyps finden Sie auf der Seite zur Auftragsabwicklung bei Engineer-to-Order.
Keralo ist Software für die Auftragsabwicklung bei Herstellern konfigurierter Maschinen und Anlagen. Sie hält für jeden Kundenauftrag den Stand über ERP, PLM, Postfach und Dateiablage hinweg und schlägt an jeder Übergabe den nächsten Schritt mit allen Unterlagen vor. Die zuständigen Leute stimmen zu, ändern oder stoppen.
Nächster Schritt
Einen Engineer-to-Order-Auftrag gemeinsam durchgehen
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